
Im Hotelkompetenzzentrum Oberschleißheim drehte sich alles um nachhaltige Konzepte für den Hotelbau – mit einem besonderen Fokus auf die Potenziale von Bestandsbauten.
„Nachhaltigkeit ist nicht nur eine technische Herausforderung, sondern vor allem eine Frage der Haltung“, brachte es Keynote-Speakerin Dorothee Maier bei der Netzwerkveranstaltung im Hotelkompetenzzentrum Oberschleißheim auf den Punkt. Rund 63 Teilnehmer aus Architektur, Innenarchitektur und Hotellerie waren gekommen, um zu erfahren, wie bestehende Gebäude durch Sanierung und Modernisierung nachhaltiger gestaltet werden können. In ihrem Vortrag über „Nachhaltigkeit in Bestandsbauten“ zeigte Maier, die in München das Innenarchitekturbüro Die Meier führt, eindrucksvoll auf, dass der Erhalt und die Revitalisierung von Bestandsgebäuden nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch ökonomisch klug sind.
Der Fokus des Events lag auf der Frage, wie Hotels durch gezielte Maßnahmen Ressourcen schonen und CO₂-Emissionen senken können – und warum die Baubranche dabei eine Schlüsselrolle spielt. Teilnehmer des Netzwerktreffens konnten sich anschließend in einer 3.500 m² großen Ausstellung im Showhotel über Lösungen führender Unternehmen wie Duravit, FlexFy, Geze und Grohe informieren. Veranstalter des Events waren Prokuristin Julia von Klitzing-Peter und der Geschäftsführende Gesellschafter Christian Peter vom Hotelkompetenzzentrum Oberschleißheim.

Potenziale und Einsparungen durch Sanierung
In ihrer Keynote verwies Dorothee Maier auf den Deutschen Erdüberlastungstag, der 2024 bereits auf den 2. Mai fiel – ein alarmierendes Zeichen für den übermäßigen Ressourcenverbrauch. Zum Vergleich: 2023 fiel dieser Tag noch auf den 4. Mai. Besonders die Baubranche spiele dabei eine zentrale Rolle: 40 Prozent der Treibhausgasemissionen in Deutschland werden durch sie verursacht, wobei 75 Prozent auf den Gebäudebetrieb (insbesondere Raumwärme) und 25 Prozent auf die Herstellung und Modernisierung von Gebäuden entfallen.
Ein weiteres zentrales Thema war die graue Energie, also die Energie, die bereits in den Bau eines bestehenden Gebäudes investiert wurde. Maier erläuterte, dass der Erhalt der vorhandenen Konstruktion 56 Prozent graue Energie einsparen könne, da dadurch keine neue Primärkonstruktion, keine zusätzliche Flächenversiegelung und keine neue Infrastruktur notwendig seien. Im Hinblick auf die EU-Taxonomie und den CO₂-Fußabdruck werde deutlich, dass Sanierung den Neubau schlägt. Diese Kriterien würden künftig maßgeblich für nachhaltiges Bauen sein.
„Bauen im Bestand wird zur Kür!”
Dorothee Maier, Innenarchitektin, die meierei
Zukunftsfähige Konzepte für Bestandshotels
Ein besonderes Merkmal von Bestandshotels sei ihr einzigartiger Charakter, so Maier. Diese Häuser, oft von Inhabern geführt, könnten durch gezielte Sanierungs-, Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen für die kommenden Jahrzehnte aufgewertet werden. Eine enge Zusammenarbeit mit lokalen Handwerkern und Lieferanten fördere nicht nur die lokale Gemeinschaft, sondern stärke auch das Profil des Hotels. Bestandshotels hätten durch ihre Bekanntheit häufig einen Standortvorteil und könnten Synergien mit Co-Working-Spaces, Events oder Pop-up-Stores bilden.
Für Hotels bedeute Wachstum heute vor allem, sich an die höheren Erwartungen der Gäste anzupassen – sowohl in Bezug auf Konzept und Ausrichtung als auch auf das Gebäude selbst. Eine gründliche Bestandsanalyse bilde die Grundlage für Maßnahmen wie Revitalisierung und Refurbishment, wobei Nachhaltigkeit und ESG-Kriterien zunehmend entscheidend seien. Dies betreffe sowohl Umweltschutz (z. B. Energieverbrauch) als auch Sozialstandards (z. B. Barrierefreiheit) sowie Verantwortung in der Unternehmensführung.
Die Raumoptimierung für geänderten Platzbedarf und moderne Raumstrukturen sei ein weiterer wichtiger Aspekt. Beim Interieur gehe es darum, Materialien und Möbel zu wählen, die gut altern und wenig kosten, während die Haustechnik an die Bedürfnisse der Gäste angepasst werde, zum Beispiel durch digitale Services wie digitalen Check-in oder Concierge, so Maier.
Fazit: „Die Geschichte eines Ortes weitererzählen“
Die Veranstaltung verdeutlichte, dass Nachhaltigkeit im Hotelbau der Schlüssel zu einer zukunftsfähigen Branche ist. Die Erkenntnisse aus Maiers Vortrag machten deutlich, dass Sanierungen und Modernisierungen nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch ökonomisch klug sind. Der Verzicht auf Neubauten und die gezielte Aufwertung bestehender Gebäude tragen nicht nur zum Umweltschutz bei, sondern steigern auch langfristig den Wert von Hotelimmobilien. Hotels, die in ihre Infrastruktur investieren und sich als Teil der lokalen Gemeinschaft positionieren, zeigen demnach Verantwortung und sind gut für die Zukunft gerüstet.
Über das Hotelkompetenzzentrum
Das Hotelkompetenzzentrum in Oberschleißheim bei München ist eine zentrale Anlaufstelle für die Hotellerie bei Neu- und Umbauten. Gemeinsam mit seinen Partnern entwickelt es maßgeschneiderte Lösungen für Hoteliers, Architekten, Planer, Betreiber und Investoren. Auf 3.500 Quadratmetern bietet die Einrichtung herstellerneutrale, ganzheitliche Konzepte und unterstützt die Branche mit praxisnahen Innovationen.