Mitten in der Pandemie übernahm Marius Tröndle das traditionsreiche Hotel Auerhahn am Schluchsee und wagte eine mutige Neuausrichtung. Dreieinhalb Jahre wurde saniert, viele Probleme am Bau gelöst. Nun startet das Boutiquehotel neu durch.
Den perfekten Zeitpunkt für ein neues Hotelprojekt gibt es nicht. Als die bisherigen Pächter des Auerhahn 2021 überraschend beschlossen, ihren auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern, musste sich Hotelier Marius Tröndle von heute auf morgen entscheiden, wie es mit dem Haus weitergeht – und das mitten in der Corona-Hochphase.
Der Überlieferung nach befindet sich das Haus im heilklimatischen Kurort Schluchsee im Hochschwarzwald seit rund 400 Jahren in Familienbesitz. 1993 hatten Margret und Meinrad Tröndle, die Großeltern von Marius Tröndle, das Hotel im Ortsteil Aha eröffnet. Fast drei Jahrzehnte lang führten die Pächter Ferdinand und Renate Thom das Haus. Doch mit der Pandemie entschied das Paar, das in Höchenschwand zusätzlich das Bio- und Wellnesshotel Alpenblick betreibt, sich vom Schluchsee zurückzuziehen.

Familienbesitz sollte erhalten bleiben
„Auch wenn ich mit mehr Planungszeit gerechnet hatte, wollte ich die Chance unbedingt nutzen, um den Auerhahn in eine neue Ära zu führen“, sagt Marius Tröndle, der heute als einziger in seiner Familie eine Verbindung zur Hotellerie und Gastronomie hat.
Der gelernte Hotelfachmann und Koch absolvierte seinen Betriebswirt in der Schweiz und entdeckte bei verschiedenen Stationen in der DACH-Region seine Leidenschaft für Boutiquehotels. 2019 kehrte er in die Heimat zurück und kaufte die Mühle am Schluchsee, um daraus ein gehobenes Hotel mit zehn Zimmern und einem Zwei-Sterne-Restaurant zu machen. Damit war klar: Der Auerhahn sollte nicht verkauft, sondern in Familienbesitz bleiben und selbst betrieben werden.
Inspiration sammelte der Bauherr auf Reisen in Japan
Tröndle hatte eine klare Vision für das Traditionshaus: „Japan meets Black Forest“ – ein gehobenes Boutiquehotel, das den alpinen Stil modern und minimalistisch interpretiert. „Ich wollte etwas schaffen, das es hier so noch nicht gibt“, betont der Hotelier. „Auf keinen Fall sollte es ein weiteres Hotel mit Bollenhut an der Wand und Karo-Decken in den Zimmern werden.“ Seine Inspiration fand er auf zahlreichen Reisen nach Japan.
Das Gebäudeensemble des Auerhahns umfasst drei Bestandsgebäude. Im Zuge der Sanierungsmaßnahmen wurde zwei davon komplett entkernt und neugestaltet. Die Zimmer in Haus 1 und Haus 2 entstanden in Zusammenarbeit mit dem Hoteleinrichter Bachhuber aus Bad Birnbach, während Baur Wohnfaszination aus Höchenschwand die öffentlichen Bereiche gestaltete – ein bewährter Partner der Familie Tröndle. Das dritte Gebäude blieb weitgehend im Originalzustand, da die Zimmer dort erst 2009 renoviert worden waren. Sie wurden im skandinavischen Stil aufgefrischt und zählen nun zur günstigsten Zimmerkategorie im Auerhahn.
Sehr wichtig war Tröndle, Regionales in das Design einfließen zu lassen – Materiale wie Holz, Granit und Glas, das an die einst zahlreichen Glasbläsereien der Gegend erinnert. Im neuen Eingangsbereich symbolisiert eine geschwungene Holzlamellenkonstruktion an der Decke den Wellengang des Schluchsees. Der Empfangstresen besteht aus drei massiven Granitblöcken – einem typischen Stein der Region.
Früher Terrasse, heute Wintergarten
Da das Hotel direkt an der B500 liegt – einer Bundesstraße, die sich fast fünf Kilometer am Ufer des Schluchsees entlangzieht –, entschied sich Tröndle, die ehemalige Hotelterrasse in einen Wintergarten umzubauen und somit ganzjährig nutzbar zu machen. Heute dient der lichtdurchflutete Raum als Lobby mit integrierter Bar. Das Fine-Dining-Restaurant in Haus 1 mit 120 Sitzplätzen sowie die Brasserie in Haus 3 wurden hingegen nur behutsam modernisiert, um ihren ursprünglichen Charakter zu wahren.
Da Tröndle keinen Architekten fand, der seine Vorstellungen präzise umsetzen konnte, verwirklichte er seine Ideen zusammen mit den Hotelausstattern Bachhuber und Baur Wohnfaszination. In enger Zusammenarbeit wählten sie Materialien, Möbel und Beleuchtung aus. Nun treffen in der Lobby auffällige Zementmosaikfliesen auf schlichte graue Polstermöbel, japanisch anmutende Holzkonstruktionen an den Wänden auf die elegante goldene Pendelleuchte „Melt Trio Round“ von Tom Dixon.
In den Zimmern setzt sich der reduzierte Stil fort: Viel helles Holz, Lamellen im japanischen Design und Textilien in Naturtönen schaffen eine beruhigende Atmosphäre, während schwarze Schalter und Lampen Akzente setzen. Rund 60 Prozent der verwendeten Materialien in den neuen Zimmern sind recycelt. „Das war manchmal teurer, manchmal günstiger“, sagt Tröndle. Unter anderem wurde im Haus ein Teppichboden von Tretford verlegt, den der Hersteller später nach dem Ausbau zurücknimmt und wiederverwertet.
Durch die Nähe zur Straße war der Schallschutz in den neuen Zimmern ein zentrales Thema. Der Estrich wurde schwimmend verlegt, und unter dem grauen PVC-Boden in großformatiger Fliesenoptik wurde eine drei Millimeter dicke Trittschalldämmung eingebaut. Die Fenster sind dreifach verglast und mit Argon-Gas isoliert, was Wärmedämmung und Schallschutz erheblich verbessern soll.
Drei Jahre Bauzeit und schlaflose Nächte
Die Lage am See brachte eine weitere Herausforderung mit sich: Das Hotel war in der Vergangenheit bereits vier Mal wegen Blitzeinschlägen abgebrannt. „Selbst während der Bauphase hat der Blitz hier zweimal eingeschlagen“, berichtet Tröndle, der so etwas in seinem anderen Hotel am Schluchsee noch nie erlebt hat. Daher wurde beim Auerhahn ein zusätzlicher Erdschutz notwendig und die gesamte Elektronik vom Dach entfernt.
Insgesamt zog sich die Bauzeit über dreieinhalb Jahre hin und kostete den Hotelier einige schlaflose Nächte. Vor allem der Brandschutz stellte eine große Herausforderung dar: „Zunächst hatten wir Bestandsschutz für das Gebäude. Doch mitten in der Bauphase wurde dieser aufgehoben und wir mussten die gesamte Planung neu überarbeiten. Das war eine Katastrophe“, blickt Tröndle zurück.
Viele der Brandschutzanforderungen schienen selbst dem Gutachter überzogen. „Obwohl alle drei Häuser problemlos mit einer Drehleiter erreichbar sind, mussten wir überall Leitern anbringen, Türen vergrößern und aufschneiden. Diese Nachbesserungen im Bestand haben Kosten verursacht, mit denen ich nicht gerechnet hatte“, so Tröndle. Auch der Einbau eines Brandschutzvorhangs war notwendig. Am Ende stieg die ursprünglich geplante Investitionssumme um mehr als knapp die Hälfte an.
Steckbrief Hotel Auerhahn
- Bauzeit: 3,5 Jahre
- Eröffnet: Februar 2025
- Eigentümer: Tröndle Hotel GmbH
- Bauherr/Hoteldirektor: Marius Tröndle
- Kategorie: Luxury
- Zimmer und Suiten: 57
- Restaurants: Fine-Dining und Brasserie
- Preise: 460 Euro (Halbpension, Opening-Rate)
- Investitionsvolumen: zweistelliger Millionenbetrag
- Innenarchitektur: Baur Wohnfaszination (öffentliche Bereiche), Bachhuber (Zimmer)
- Gebäudeautomation: Loxone Germany
- Elektro/Planung: RST Datentechnik Albbruck
- TGA Planung: FB-Plan, Löffingen
- Lichttechnik: Luxatis Lichttechnik
Langes Warten auf Genehmigungen
Die Haustechnik wurde in einer neuen Energiezentrale untergebracht, deren Genehmigung fast ein Jahr dauerte. „Das war unglaublich bürokratisch“, ärgert sich Tröndle. Rückblickend wäre es seiner Meinung nach schneller und kostengünstiger gewesen, das Gebäude abzureißen und neu zu bauen. „Ein Neubau wäre effizienter gewesen. Aber mein verstorbener Großvater hatte das Hotel damals als Architekt selbst entworfen, weshalb die Entscheidung auch eine nostalgische war.“
Früher wurde der Auerhahn mit einer Ölheizung beheizt, die täglich fast 200 Liter verbrauchte. Heute sorgt eine hybride Hackschnitzelheizung für ein angenehmes Raumklima, bei der Pellets und Hackschnitzel verwendet werden können. „Da wir hier von Forstwirtschaft umgeben sind, bekommen wir die Hackschnitzel quasi hinterhergeworfen“, so Tröndle. Aus Nachhaltigkeitsgründen wurden im Auerhahn neben Wärmepumpen auch Kühlsysteme mit CO2-Anlage integriert, die auf giftige Fluorierte Gase verzichten – eine Technologie, die in großen Supermärkten zum Einsatz kommt. Um die KfW-Förderung zu erhalten, wurden die drei Gebäude mit einer Dämmung von 22 Zentimetern versehen. Die hinterlüftete Holzfassade ist ein Pilotprojekt: Sie besteht aus thermobehandeltem, imprägnierten Holz, das laut Hersteller in den nächsten zehn Jahren nicht verwittert.
Bei der Gebäudeautomatisierung setzt Marius Tröndle auf das System Loxone. Es vernetzt alle Komponenten und bietet durch zahlreiche offene Schnittstellen eine hohe Flexibilität. Beleuchtung, Heizung, Lüftung und Klimaanlage werden zentral gesteuert, um den Energieverbrauch zu senken. Auch die Photovoltaikanlagen auf dem Dach sind in das Loxone-System eingebunden.
Frische Konzepte beleben Tourismus
Die Hotellerie der Region ist kleinteilig strukturiert, größere Investitionen bleiben die Ausnahme. Trotz eines Übernachtungszuwachses von 1,1 Prozent auf 23,3 Millionen im Jahr 2024 mangelt es an frischen Konzepten. „Es gibt einige junge Leute, die etwas bewegen wollen“, sagt Tröndle, etwa Hoteliers wie Johannes und Felix Dünnebacke von der Köhlerei am See und dem Hotel Schlehdorn. Doch es brauche mehr kreative Köpfe, um die Region nachhaltig zu verändern. Mit dem Auerhahn hat Tröndle einen Schritt in die richtige Richtung getan.
>> Der Beitrag ist in der Tophotel Ausgabe 3-4/2025 erschienen.
