Tophotel spricht mit Branchenpersönlichkeiten, die vor kurzem einen neuen Job angetreten haben. Wie erleben sie ihren neuen Arbeitsplatz, welche Aufgaben konnten sie bereits angehen, wo stoßen sie an Grenzen? Diesmal: Dirk-Uwe Schörner (59), seit August 2024 Direktor und seit Dezember Geschäftsführer im Hotel Herzogspark in Herzogenaurach.
Tophotel: Herr Schörner, seit ein paar Monaten führen Sie das einstige Adidas-Sporthotel in doppelter Funktion als Direktor und Geschäftsführer. Hat Sie etwa der Sport nach Herzogenaurach geführt?
Dirk Schörner: Das war nicht der spezielle Grund. Wir haben hier ein Haus mit einer begeisternden Geschichte, einer langjährigen Tradition und einem guten Ruf in der Region. Die Historie mit dem Sport ist ein besonderer USP, der dazu beiträgt, dass das Hotel wahrgenommen wird. Darüber hinaus haben wir viele Möglichkeiten im Bereich Tagungen, Veranstaltungen und Events.
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Wie fühlt sich das an, ein so traditionsträchtiges Haus zu übernehmen, das sich zudem seit seiner Gründung in Familienbesitz befindet?
Es ist großartig. Mich fasziniert der Werdegang der Familie Dassler und wie aus dem damaligen Gästehaus das Hotel Herzogspark wurde. Der Gründer Adi Dassler selbst war unglaublich aktiv und engagiert. Ich selbst habe zuvor das Panoramahotel Waldenburg geplant und geführt, das über die Jahre zu einem Weltmarktführer herangewachsen ist – insofern begeistert mich die Entwicklung sehr. Ich möchte das Haus von der Tradition in die Moderne führen.
Über das Hotel Herzogspark Herzogenaurach
Das Hotel Herzogspark in Herzogenaurach ist ein Viersterne-Superior-Hotel und verfügt über 120 Zimmer, Apartments, Suiten und Junior-Suiten, die sich über mehrere Gebäudeteile verteilen: Im Haupthaus befinden sich außer dem Restaurant „Stüberl“, die Bar „1900“, Tagungs- und Seminarräume sowie ein großer Sport- und Wellnessbereich.
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Das Hotel prägt eine lange und traditionsreiche Geschichte. Ursprünglich vom Sportmarken-Hersteller Adi Dassler als Gästehaus für Geschäftspartner, Sportler und Funktionäre eröffnet, wurde es nach den Olympischen Spielen 1972 in München zum Adidas Sporthotel umgewandelt. 1992 baute Brigitte Baenkler-Dassler, die Tochter von Adi Dassler, das Haus zum heutigen Hotel Herzogspark aus. Seit 2005 hat sich das Hotel durch Modernisierungen zu einem Tagungshotel entwickelt. Nach dem Tod von Brigitte Baenkler-Dassler im Jahr 2011 übernahmen ihre Söhne Wolf und Dr. Marc Baenkler das Hotel, während Michael Bläser als Geschäftsführer mit zahlreichen Modernisierungen das Profil des Hauses weiter schärfte. Er übergab das Hotel in die Hände von Dirk-Uwe Schörner, um seinen Ruhestand anzutreten. Heute beschäftigt das Haus 57 Mitarbeiter.
Zum Wohnangebot gehören zudem die zehn neuen Themenzimmer, darunter solche mit sportlichen Schwerpunkten wie Ski, Tennis, Sprint, Wintersport, Leichtathletik oder Turnen. Sie sind mit Unikaten aus dem Besitz von Gründer Adi Dassler ausgestattet. Nebenan bietet das Akazienhaus weitere 25 Apartments, die sich besonders für Seminar- und Langzeitgäste eignen.
Haben Sie konkrete Pläne?
Ich will mehr Zielgruppen ansprechen.Der Sport ist zwar ein großes Segment, doch mit dem Wellnessangebot, zum Beispiel, sollen verstärkt Gäste aus der Region oder auf der Durchreise hinzugewonnen werden. Dafür passen wir die Speisenangebote entsprechend an: Die Küche im Restaurant „Stüberl“ ist bodenständig und ehrlich, mit regionalen, aber auch internationalen Speisen. Auch den Veranstaltungsbereich möchte ich noch weiter ausbauen.
Wie haben Sie die ersten Monate empfunden?
Auch wenn mir einige der Themen, mit denen ich hier zu tun habe, schon mehrfach an früheren Stationen begegnet sind, waren die ersten Monate zunächst herausfordernd. Jedoch wurde ich von meinem Team ausreichend unterstützt.
Mit welchen Herausforderungen sahen Sie sich in der neuen Position konfrontiert?
Ein großes Thema war die personelle Stärke. Es gab mehrere offene Stellen, da sich mehrere langjährige Mitarbeiter verabschiedet hatten, bevor ich kam. Daher musste erst wieder ein Team gebildet werden. Aber wir haben das Glück, dass dennoch sehr viele langjährige Mitmitarbeiter hier sind, die das Haus gut kennen und seinen Geist an neue Mitarbeiter weitergeben können.
Sind Sie vom bestehenden Team gut aufgenommen worden?
Wie das bei jedem neuen Chef ist, wurde auch ich erst einmal genau beobachtet. Ich glaube aber, dass ich mich durch die ein oder andere vertrauensschaffende Maßnahme gut etablieren konnte. Mitarbeitergespräche, zum Beispiel. Daneben gab es zwei Events, die die Mitarbeiter sehr geschätzt haben: Außer der Personalfeier habe ich die Mitarbeiter abteilungsweise zum Eisessen eingeladen. Und da habe ich wieder gemerkt, wie wichtig es ist, empathisch zu sein und mich mit den Mitarbeitern zu beschäftigen, damit sie sich gesehen fühlen. Im Hotel ist Personal das wichtigste Gut – sicher kann ich es nicht jedem zu jedem Zeitpunkt rechtmachen, versuche ich stets das, was möglich ist, auch zu tun.
Wie verstehen Sie demnach Ihre Rolle als Hoteldirektor?
Als Hoteldirektor bin ich zwar Chef, aber auch Coach und Kollege. Wichtig ist für mich, die Mitarbeiter, vor allem die Abteilungsleiter, in die Entscheidungsprozesse einzubeziehen: Wir besprechen den Weg und das Ziel gemeinsam, dabei können sich die Abteilungsleiter eigenverantwortlich einbringen. Ich bin nicht der Chef, der alles genau brieft, die Abteilungsleiter sollen sich entfalten – hinsichtlich des gemeinsamen Ziels. Ich möchte das Haus zusammen mit den Mitarbeitern zum Erfolg führen – Jeden Tag, mit allen Herausforderungen, die es gibt.
Werdegang kompakt
Dirk-Uwe Schörner, aufgewachsen in Villingen im Schwarzwald, begann seine Karriere in der Hotellerie mit einer Ausbildung zum Hotelkaufmann im Parkhotel Badenweiler. Seitdem sammelte der 59-Jährige langjährige Berufs- und Managementerfahrung in unterschiedlichen Häusern und Unternehmen, arbeitete unter anderem als Hoteldirektor und Prokurist in dem zum Würth-Konzern gehörenden Panoramahotel in Waldenburg, als Hoteldirektor und General Manager in Hotels der Success Hotel Group, für Tryp by Wyndham in Bad Bramstedt, Bad Oldesloe und Kassel, für Maritim in Bremen, Bad Salzuflen und Stuttgart, für Aida Cruises und in Qatar.
Was bedeutet Erfolg für Sie?
Erfolg ist, wenn alle zufrieden sind – die Eigentümer, die Mitarbeiter und die Gäste. Alle Wünsche und Bedürfnisse in Einklang zu bringen, das ist die eigentliche Aufgabe eines Chefs.
Woran machen Sie fest, ob Sie damit erfolgreich sind?
Das A und O sind natürlich die Zahlen, die lügen nie. Besonders kommt es aber auf die Rückmeldungen der Gäste und des Teamsan. Bei den Mitarbeitern ist mir besonders wichtig, dass sie bei ihrer Arbeit auch Spaß haben.
Was konnten Sie bereits umsetzen oder anstoßen?
In meinen Augen konnten wir unsere personellen Themen gut lösen, das steht für mich ganz oben. Außer dem neuen Küchenchef, der im April anfängt, wurden auch in den anderen Abteilungen neue Mitarbeiter eingestellt. Daneben gab es Veränderungen bei den internen Abläufen in der Buchhaltung, auch hier sind wir auf einem guten Weg.
Haben Sie ein Learning aus den ersten Monaten in Herzogenaurach?
Ich habe gelernt, dass sich eine gesunde Ungeduld lohnt. Dass wir mit viel Streben und Anstrengung die meisten Aufgaben lösen können.
Was meinen Sie mit „gesunder Ungeduld“?
Für mich ist das die Balance aus Anstrengung und Ruhe. Ungeduld kann auch negativ sein, etwa, wenn sich alle verrückt machen – oder ich mich selbst verrückt mache. Ich bin der Meinung, wer sich nicht anstrengt, der wird auch nichts erreichen. Es geht also darum, zu erkennen, wo die Prioritäten liegen, und welche Kanäle angezapft werden müssen, um ein Vorhaben in die richtige Richtung zu bewegen. Insofern gilt: Immer dranbleiben und mit einem gesunden Maß an Ungeduld die Themen angehen und vorantreiben.
Wie erleben Sie Ihren neuen Arbeitsplatz jetzt?
Nach den ersten Monaten merke ich, wie die Bemühungen und die kleinen Erfolge, die wir in den vergangenen Wochen erreichen konnten, zum Tragen kommen. Wir haben eine gute Personalstruktur, auf der wir aufbauen können, und werden hier in der Gegend wahrgenommen. Besonders gut gefallen mir die Möglichkeiten, die wir mit dem Haus haben und dass wir noch viele Dinge angehen können.